Pioneer 10 - 12 Milliarden Kilometer entfernt von der Heimat - und es geht immer noch weiter ...
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(12.03.2000) Letzten Monat erhielt die NASA ein schwaches Signal von Pioneer
10, von
einer Stelle im All, die zweimal soweit entfernt ist wie der Pluto
von der Sonne. Mit seinem rot glitzernden Auge im südwestlichen Sternenhimmel nach
Sonnenuntergang, ist das Sternbild des Stiers (Taurus)
eines der am meist
faszinierenden Winter-Sternenkonstellationen. Die meisten Sternengucker wissen
dies nur allzu gut, was sie jedoch nicht wissen, ist die Tatsache, das diese
Sternenkonstellation auch eine weit entfernte Touristenreise beinhaltet. In
mehr als 300.000 Jahren wird Taurus einen bemerkenswerten Besuch von der Erde
erhalten - eine weit gereiste Raumsonde namens Pioneer 10. Pioneer 10 wurde am
2. März 1972 von Cape Kennedy auf einer Atlas Centaur Startrakete in den
Weltraum gebracht, um eine zwei Jahres Mission zu absolvieren, die sie zum
Jupiter führen sollte. 28 Jahre später nun ist die Sonde zweimal soweit
entfernt als der Pluto von der Sonne. Sie befindet sich mit einer
Geschwindigkeit von 13 Km/s auf dem Weg zu dem mächtigen Stern Aldebaran.
Nach so vielen Jahren im All, inklusive der gefährlichen Passage durch den
Asteroiden-Gürtel und Jupiters Magnetosphäre, geht Pioneer 10 ihrem Ende des
wissenschaftlichen Lebens entgegen. Die Energieerzeugung der Geräte an Bord
wird durch die Wärme verursacht, die der Zerfall des Plutoniums 238
verursacht, welches an Bord in einem Behälter mitgeführt wird. Die
Halbwertzeit der Isotopen beträgt 92 Jahre, der Zerfall der Isotope geht jedoch
schneller voran, weil die Hitzeenergie in Elektrizität umgesetzt wird. Die
Ingenieure denken, das die Energie nicht mehr lange ausreichen wird, den
Pioneer-Sender noch länger am Leben zu erhalten. Wo befindet sich Pioneer 10
zur Zeit? Dies können sie selber feststellen. Gehen Sie um 8 Uhr abends nach draußen
und schauen Sie in den Südwesten. Dort finden Sie die
Sternenkonstellation des Orion und des Stiers, auch die hellen Punkte des
Jupiter und Saturn. Pioneer 10 fährt zur Zeit entlang dem roten Stern
Aldebaran, welcher sich in einer Entfernung von 71 Lichtjahren von uns
entfernt befindet. Aldebaran leuchtet rötlich und scheint 155 mal heller als
unsere eigene Sonne. Das 8-Watt Sendesignal Pioneers, weniger als die Stärke
der Energie einer Taschenlampe, erreichen die Antennen des Deep Space Networks
der NASA mit einer Stärke von 0.3 milliardstel eines trillionstel von Watt!.
Wissenschaftler verfolgen die schwache Übertragung innerhalb der
Untersuchungen, die mit der Chaos-Theorie angestellt werden. Auch versuchen
sie mehr von den Bedingungen zu erfahren, die das Sonnensystem hinter Pluto
verbirgt. Im Februar 2000 sendeten die Kontrolleure auf der Erde Kommandos zur
Sonde, um das Signal zur Erde von Pioneer zu verstärken. Pioneer hat so wenig
Energie, das der Empfänger an Bord der Sonde sich ausschaltete, nachdem die
Sonde das Kommando erhalten hatte, um eine Kurve zu fliegen. Nach 90 Minuten
des Blindfluges wurde der Empfänger reaktiviert. Nach weiteren 10 Stunden, in
dieser Zeit legt das Licht eine Strecke von 11 Milliarden Kilometern zurück,
erhielten die besorgten Kontrolleure ein Signal, das das Manöver zu einem
Erfolg geführt hatte. Pioneer 10 ist das erste Objekt, welches von
Menschenhand gebaut worden ist, das hinter die Plutobahn vordringen
konnte. Eine lange Liste von grandiosen Erfolgen kann die Sonde
zurückblicken: Als erstes Raumfahrzeug durchquerte sie den Asteroidengürtel
zwischen Mars und Jupiter. Als erste Sonde besuchte sie den Jupiter, und zum
ersten Mal wurde die Gravitation eines Planeten dazu benutzt, den Kurs zu
ändern um auf Sonnensystem-Fluchtgeschwindigkeit zu gehen. Viele
Wissenschaftler sehen im ersten Durchqueren des Asteroidengürtels zwischen
Mars und Jupiter die größte Leistung. Bevor die Durchquerung stattfand,
wusste kein Wissenschaftler, wie viele Gesteinsbrocken dort umhertreiben.
Keiner wusste, in welcher Geschwindigkeit sich die Brocken aus Felsen und Sand
bewegen, und niemand wusste, mit welcher Geschwindigkeit sich eine Raumsonde
durch den Asteroidengürtel zu bewegen hatte, damit sie nicht mit den
Asteroiden kollidierte. Pioneer 10 überstand die Reise durch den
Asteroidengürtel unbeschadet und legte damit den Weg fest, den später
folgenden Raumsonden jenseits des Planeten Mars den Weg zu ebnen. Am 8.
Dezember 1992, als die Sonde 8.4 Milliarden Kilometer entfernt war,
vollführte Pioneer 10 eine unerwartete Kursänderung. Astronomen gehen davon
aus, das die Gravitation durch einige Objekte im sogenannten Kuiper-Gürtel
verursacht worden war. Diese Objekte nennt man "KBO" (Kuiper-Belt-Objects).
Diese Objekte sind gefrorene asteroidenähnliche Körper, ähnlich der
Zusammensetzung des Planeten Pluto, die die Sonne in einem Kreis in weiter
Entfernung jenseits aller Planeten umkreist. Sollte dies tatsächlich der
Grund für die Bahnänderung der Sonde sein, so währe dieses nachgewiesene
Ereignis erst das zweite in der Vergangenheit des Sonnensystems, wo ein Objekt
durch die Gravitation aus seiner Bahn geworfen wurde. Das erste Ereignis
ereilte wohl den Planeten Neptun, der erst im Jahr 1846 entdeckt worden war.
Seine Position war vorhersehbar, weil durch seine Gravitation der Planet
Neptun eine andere Bahn im Sonnensystem einnimmt als alle anderen Planeten.Pioneer 10 untersucht nun die äußeren Grenzen der Heliosphäre, einem
blasenähnlichen interstellaren Medium, welches durch den Sonnenwind
hervorgerufen wird. Früher nahm man an, das der Sonnenwind auf keinen Fall
Auswirkungen auf Objekte haben könnte, die hinter der Bahn des Jupiter
liegen. Dank der Untersuchungen der Pioneer 10 Sonde als auch der
nachfolgenden Voyager Sonden, konnte nachgewiesen werden, das die Heliosphäre
weit aus größer ist, als ursprünglich angenommen. Sogar weit
hinausreichender ins Universum, hinter die Bahn des [Quelle: NASA-Science News v. 09.03.2000. Recherche & Übersetzung: Andreas Bergweiler, Space Odyssey Suite] |